2019-08

30.8. 2019
Wir sind wieder zu Hause.
Die Nilkreuzfahrt wurde noch richtig gut. Nach dem ersten Tag an dem uns nicht so nach all den Sachen zumute war haben wir uns beruhigt.
Unser Guide war ein super Typ. Wir sind noch immer mit ihm im Kontakt. Er war so dermassen von der alten ägyptischen Geschichte begeistert, dass diese Begeisterung auch auf uns überfloss.
Wir merkten uns soviel wie möglich von dem was er uns erzählte. Wann immer wir ein bisschen unseres neugelernten Wissens ins Gespräch brachten blühte Walid voll auf und freute sich merklich darüber, dass doch etwas an uns hängen bleibt.
Ohne Guide braucht man sich das alles erst gar nicht reinziehen weil man nichts versteht und nichts wird Sinn machen.Die Geschichte des antiken Ägyptens ist schlichtweg zu umfangreich und zu verwickelt um es ohne Tuition zu verstehen.
Der Guide war auch keine extra Option sondern jeder der bucht hat automatisch einen Guide dabei.
Wir besuchten den Karnak Tempel der uns richtig umhaute. Danach zurück auf das Schiff und Leinen los in Richtung Aswan.
Das Schiff legt an in Edfu und Kam Ombudsmann wo es wichtige Sehenswürdigkeiten ( Tempel ) gibt.
Einmal am Tag machten wir eine Besichtigung, der Rest des Tages war zu unserer freien Verfügung. So hat es perfekt gepasst.
Beulah hat sich auch merklich wieder erholt.
Wir verbrachten Stunden auf unserem mini Balkon und genossen es, langsam den Nil hinaufzufahren. Ein paar tolle Bilder haben wir geschossen.
Diese Gegend in Ägypten ist biblisch. Besser kann ich es nicht ausdrücken.
Überall fahren die Leute noch mit dem Eselwagen herum, sind angezogen wie damals und gehen ihrer kleinen Arbeit nach wie man es sich vor 2000 Jahren vorstellt.
Jeden Moment erwartet man Jesus und die Jünger um die Kurve kommen, echt !!!
Aber ich glaube, diese Jungs waren damals gar nicht so oft in Aegypten, oder ?
Keine Ahnung.
Unser Schiff, die Sonesta Moon Goddess war definitiv eines der besten Boote auf dem Nil.
Es gibt so um die 500 dieser Nilschiffe die alle ähnlich gebaut sind. Aber der Unterschied ist gewaltig. Man muss richtig Hausaufgaben machen, dass man nicht auf einem der zahllosen Seelenverkaeufer endet.
Kaum ein Schiff hat Balkone. Und das war fuer uns das Allerwichtigste.
Alles hat gepasst auf dem Dampfer. Kabine voll in Ordnung, Balkon, Essen super, Leute sehr freundlich. Alles bestens.
Nach 7 Tagen waren wir traurig, dass es schon vorbei war. Wir hätten locker nochmal 7 Tage anhängen koennen…
Aber wir koennen auch einen Monat auf einer Malediveninsel sitzen und sind traurig, dass wir schon gehen müssen. Oder 3 Wochen im Kruegerpark rumhaengen etc.
Anschliessend waren wir nochmal 2 Tage im Meridien Hotel in Kairo
Der Flug nach Dubai ging um 01h20 morgens was uns auch gar nicht passte.
Wir versuchten über unser Reisebüro wenigstens einen der beiden Flüge zu ändern aber die Kosten wären ziemlich hoch gewesen.
Zum Trost buchten wir uns dann zwei Nächte in Umhlanga bei Durban.
Als wir nach Dubai kamen fragten wir einfach so mal nach ob wir nicht einen Tag später fliegen könnten.
Kein Problem, hiess es. 60 Dollar pro Person Aenderungskosten.
So schnell war noch nie eine Faust voll Dollars auf einem Tisch !!! Alter !!!
Ticket geaendert und ab in die Heineken Bar. Hehehe.
Nach ein paar Frühschoppen gingen wir zum Flughafen Hotel und buchten uns ein.
Weil wir noch immer den Silber Status bei Emirates haben begaben wir uns dann in die Business Class Lounge wo wir kostenlos festen dürfen.
Ich glaub ich hab den ganzen Lachs weggefressen….
Dann erstmal ausschlafen. Das Flughafen Hotel in Dubai ist eines unserer Lieblings Hotels. Waren sicher so um die 30 mal da. Wenn nicht noch mehr..
Nachmittags Duty Free einkaufen, abends zurueck in die Business Class Lounge und zum Abschluss noch ein paar Bier beim Holländer.
Ausgeschlafen, frisch und gut gefrühstückt in der Lounge wieder flogen wir dann sehr angenehm nach Durban.
Da wir noch eine Nacht in Umhlanga hatten machten wir das auch.
Pearls of Umhlanga – Capital Pearls Hotel. Im 11. Stock
Zum Fenster raus schauen hat mich schwindlig gemacht. Ich habe eine beknackte Höhenangst. Mir tun sofort die Fußsohlen weh !!!
Als wir am nächsten Morgen mit einer Tasse Kaffee noch im Bett sitzen vibriert das Bett immer so leicht und bewegt sich ganz leicht vorwärts und rückwärts
Es ist ziemlich windig draussen, man hört den Wind pfeifen.
Ich denk immer, was ist Beulah denn so unruhig jetzt ?!!
Aber immer wenn ich sie anschaue bewegt sie sich nicht. Dann frage ich sie, merkst du das auch ? Das Bett bewegt sich.
Dann dämmert es mir………..
Elter Stock, sau-hoch, Mords Gebäude, starker Wind….
Alter, der alte Turm schwingt im Wind.
Sofort raus hier, sage ich zu Beulah. Siehst du wie weit das hier runtergeht ? !!!
Sie lacht nur. Weil ich wieder Schiss habe…
Wir sehen zu , dass wir rauskommen bevor das Gebäude einstürzt und nach einem gemütlichen Frühstück auf dem Boden machen wir uns auf den Weg nach Hause.
Ich glaube, das Hotel steht immer noch. Habe jedenfalls nichts in den Nachrichten gehört…
Zu Hause war alles gut. Die Hunde freuen sich tierisch !!!
Es ist noch lange ruhig bei uns im Geschäft. Wir haben keinen Stress. Eine tolle Zeit fuer uns.
Nächste Woche haben wir zwei Tage Tauchen wenn das Wetter mitmacht.Danach erst wieder Mitte September und Ende September.
Am ersten Oktober fliegen wir wieder nach Aegypten um unsere zweimal verschobene Tauchsafari zu machen. Anschließend zwei Wochen zu Mutter nach Deutschland um zu sehen ob und wie sie alleine zurecht kommt.
Im November machen wir dann so langsam wieder ernst….

17.8. 2019
Das Flugzeug von Muenchen nach Kairo war wahrscheinlich ein Testflugzeug.
Sicher haben sie sehen wollen ob die alte Rostbeule überhaupt noch fliegen kann…..
Alter !!!Kleiner geht es kaum noch. Nur so ein Abwasser Rohr mit Flügel dran… ich bin ja grad so ein mutiger Fluggast…
Trotzdem, wir haben es geschafft.
Irgendwo höre ich am Flughafen in Kairo mit tausend Leuten um mich herum wie unerkenntlich Beulah meinen Namen ruft.
Sie ist schon am Morgen aus Dubai angekommen.
Ich stoppe meinen Schritt und schau mich überall um. Kann sie nicht sehen , weiss aber, dass es nur Beulah Stimme gewesen sein kann.
Dann sehe ich sie oben im Tunnel der den Flughafen mit dem Meridian Hotel verbindet.
Endlich wieder zu Hause !!!!! Mein zu Hause ist bei meiner Beulah.
Das Meridian Airport Hotel ist eine ganz tolle Adresse. Alles passt.
Wir verbringen 2 Tage dort bevor wir in eine noch kleinere Flugröhre nach Luxor einsteigen.
Bei diesem Flug schwören wir uns nie wieder unser Leben so unnötig aufs Spiel zu setzten !!!!In Zukunft fliegen wir nach Deutschland und auf die Malediven. Punkt !!!
Beulah ist gestresster als ich angenommen habe. Sie ist nervlich am Ende und braucht nur Ruhe.
Anstatt sind wir auf dieser Kreuzfahrt mit einem endlosen Unterhaltung und Besichtigung Programm.
Die Hitze ist der Hammer. Wenn man zu lange draussen bleibt wird man Medium….
Wir haben auch einen persönlichen Guide was so gar nicht unser Fall ist.
Sofort sagen wir ihm, er soll ein Buch mitbringen, denn er wird Urlaub haben.
Wir wollen nur das Allerwichtigste an Sehenswürdigkeiten besuchen.
Beulah macht mir richtig Sorgen. Ihr Zustand ist ernst. So fertig habe ich sie noch nie erlebt.
Ich hatte natürlich trotz aller Umstände zu Hause genug Abstand von meinem täglichen Stress gefunden.
Mutters Jobs waren die beste Therapie. Und so fühl ich mich zwar traurig über den Verlust meines Vaters, aber sonst ganz relaxed. Beulah nicht !!!Alles ist ihr zuviel, zu heiss, zu lange, zu zu zu zu whatever.
Ich muss ihr Zeit und Platz lassen und hoffe, sie ist bald auf besserem Weg.
Wir besuchen das Tal der Könige Heute. Okay, interessant und alles, aber ich kann mich nicht in die Situation einfühlen. Die wahnsinnige Geschichte die hier drinsteckt prallt leider an mir ab.
Danach vergessen wir alles Andere was noch auf dem Programm stand und lassen uns auf unser Boot bringen.
Unsere Kabine ist richtig gut. Grosse Schiebetüren offene auf einen kleinen, gemütlichen Balkon wo gerade zwei Stühle und ein Tischchen Platz haben.
Das Mittagessen ist nichtig gut und der Rest des Tages ist zur freien Verfügung.
Obwohl die Kabine klimatisiert ist wird es immer heisse drin je mehr sich die Sonne dreht und auf unsere Seite brennt.
Mit Schlafen ist nicht viel drin. Ab und zu muss ich die Panik bekämpfen die mich denken laesst, ich bin in einem Backofen und werde langsam geröstet.
Aegypten im Hochsommer …. eine schlechte Idee.
Trotzdem, jetzt ist Abend und die Hitze nicht mehr so schlimm. Beulah schlieft ein bisschen was sie dringend braucht und ich sitze mit einer Flasche Aberlour ( Hammer-Single Malt !!! ) auf meinem kleinen Balkon um dies zu schreiben.
Morgen gehen wir vielleicht einen alten Tempel anschauen und dann haben wir auch gleich wieder Schnauze voll mit all den Sachen.
Morgen Mittag legt der Dampfer ab und tuckert langsam in Richtung Aswan. Darauf freue ich mich.

14.8. 2019
Die Zeit zu Hause mit Mutter kann man nicht mit einem Wort beschreiben.
Oft war es super traurig, manchmal lustig.
Ein Andermal wollte ich im Erdboden verschwinden und ab und zu war ich sprachlos vor Verwunderung.
Der Tod meines geliebten Vaters kam unerwartet denn er war viel zu fit um einfach zu sterben.
Noch vor ein paar Monaten gingen wir Langlaufen zusammen was er nach meiner Abreise jeden Tag alleine machte. Stundenlang zog er durch die Wälder und über Wiesen rund um unsere Heimat.
Niemand war auf diese Tragödie vorbereitet…
Aber wir Schwaben sind Meister im Verdrängen. Was uns nicht passt wird in die Unwirklichkeit abgeschoben während andere Aufgaben und Themen in den Vordergrund gezogen werden.
Das hilft den Schmerz zu lindern und die Zeit zu gewinnen die langsam die Wunden heilt.
Und so kam es, dass Mutter kein Ende an Jobs auf Lager hatte. Fast schon als haette sie all die Arbeit fuer diese Zeit aufgespart..
Und ich war nur allzu bereit mich ablenken zu lassen.
Ausser Garten-Jobs wie Reparatur der zahlreichen Garten Mauern, Grass mähen, Reparatur der Grillstelle, des Gartentürles, Holzverbrennen im Schrebergarten, Kartoffelkäfer jagen …..
gab es auch Haus-Jobs wie Türen ölen, Staubsaugen, Abwaschen, Wäsche aufhängen, Kochen und so viel mehr.
Es verging kein Tag der nicht mit Arbeit ausgefüllt war. Ich machte Sachen wie Fliessen legen und mauern die ich nicht mal wusste ob ich das kann. Am Ende war ich sogar ganz stolz auf mich.
Natuerlich gab es auch Nachlass Jobs zu regeln.
Wir waren mehrmals auf der Bank, Mails und Anrufe an zahlreiche Organisationen und Institute und wir mussten zum Nachlass Gericht um überhaupt den ersten Schritt einleiten zu können.
Die Frau im Büro war sehr hilfreich und auf dem Weg nach draussen meinte Mutter in der Passage ganz laut : Die war freundlicher als sie aussah !!!
Alle Büros waren offen wegen der Hitze und Mutter, schwerhörig wusste natürlich nicht wie laut sie das zu mir sagte…Ich stahl mich zur Tür hinaus wie ein kleiner Dieb…
Wir gingen oft zum Grab zum Giessen und alte Kränze/Blumen abzuräumen . Dabei gingen wir auch bei Opa und Omas Grab nach dem Rechten sehen.
Nichts macht einen schwermütiger als ein Besuch auf dem Friedhof.
Alter !!!
All die Erinnerungen kommen zurück. Der Tag ist im Eimer….man wünschte, man könnte nochmal von vorne anfangen….
Waehrend meiner drei Wochen zu Hause musste ich natürlich auch Mutter auf das Leben alleine vorbereiten.
Sie war verwöhnt worden von meinem Vater, wusste nicht mal wie man den Fernseher einschaltet. Echt !!
Das Telefon war eine andere Herausforderung, iPad und laptop haben wir ganz geschmissen.
Sie kann nur noch schlecht sehen, kaum noch was in der Zeitung lesen aber beim Autofahren hat sie plötzlich das Adlerauge entwickelt.
Dauernd macht sie mich auf irgendwelche Autos in weiter Ferne aufmerksam und sieht drohende Gefahren um jede Kurve.
Einmal fuhr ich leicht knapp an einem parkenden Auto vorbei als sie mir ins Steuer greift und ruft : Du streifst doch das Auto da.
Ich wusste nicht was sie meinte, denn diese Gefahr war schon längst vorbei und erschrak selber gewaltig.
Vor lauter Durcheinander fuhr ich dann auf die linke Strassenseite , so wie ich es von Afrika gewöhnt bin.
Ein Auto kommt uns entgegen und ich will noch weiter nach links. Mutter schreit, Gegenauto hupt bis ich es dann merke und den Vogel gezeigt bekomme…
Wir mussten dann erstmal ein paar Regeln niederlegen, Mutter und ich….Alter !!!
Sie vergisst und verliert alles, jeden Tag, den ganzen Tag. Aber da sie meistens zu Hause ist finden wir alles wieder nur um es später wieder zu verlegen.
Das ist der Stress dem sie jetzt ausgesetzt ist und ich versuchte ihr beizubringen immer nur ein Ding auf einmal zu machen. Brillen, Geldbeutel, Autoschluessel, Hausschlüssel, Post, Rechnungen etc etc alles hat seinen ganz bestimmten Platz. Dann mss sie sich strikt halten.
Sie muss super vorsichtig sein, dass sie in ihrem dreistöckigen Haus mit tausend Treppen nicht fällt.
Ich wollte ihr bei der Sozialstation einen Notrufknopf besorgen, aber alles war ihr zu schnell und zuviel.
So habe ich ihre Nachbarn gebeten, ab und zu mal zu schauen ob sie im Haus Bewegung und Licht sehen damit alles okay ist. Mutter hat ein Riesenglück die nettesten Nachbarn zu haben die man sich vorstellen kann.
Ich hatte auch Happy Days.
So habe ich viele meiner Freunde getroffen mit denen ich aufgewachsen bin. Ich besuche sie oft wenn ich nach Hause komme und wir haben immer unendlichen Spass zusammen.
Wir gehen ordentlich einen zischen und reden von alten Zeiten und sonstigen Unsinn. Oft liegen wir vor lachen fast unter dem Tisch…
Auch meinen Freund Andi aus Tübingen habe ich getroffen. Es war schön beim Lunch unter der Burg Hohenzollern in Hechingen.
Wir entschlossen uns, das Mittagessen auf weizenhaltige Nahrung zu beschränken .
Fuer meinen Freund Supp reichte es leider nicht. Mutter verbot mir, so weit nach Heilbronn zu fahren…..
Dann war es Zeit zu gehen.
Mutter braucht jetzt Zeit fuer sich selbst. Sie muss eine Routine entwickeln mit der sie jeden Tag zurecht kommt.
Sie ist zäh wie ein überbratender Zwiebelrostbraten , und sie wird es schaffen.
Wir haben beschlossen, im Oktober nochmal fuer 2 Wochen zu Mutter zu kommen um zu sehen ob sie alleine zurecht kommt.
Ich treffe mich erstmal mit Beulah in Kairo.
Wir machen eine Nilkreuzfahrt und bleiben insgesamt 12 Tage in Ägypten.
Weg von allem was wir kennen, weg von allem was war.
Ich habe sie seit über 2 Monaten nicht mehr – oder kaum – gesehen. Als sie von Coffee bay nach 6 Wochen Stress zurück kam flog ich am folgenden Tag nach Deutschland.
Wir alle brauchen mal einen radikalen Tapetenwechsel…

1.8. 2019
Mein Vater, mein Held, mein Anker in meinem stürmischen Leben ist gestorben…
Ich schreibe dies hier weil viele Leute meinen Vater kannten und viele haben hier über ihn gelesen.
In typischer Mauz-Manier haben wir eine Achterbahnfahrt des Horrors hinter uns.
Das Unmögliche, das Undenkbare und trotzdem Unabwendbare ist passiert.
Noch im Februar sind wir zusammen Langlaufski gefahren.
Mein Vater war super fit und hatte auf jeden Fall noch 5/6 Jahre gut wenn nicht noch mehr.
Nach einem Fest mit seinen Fischerkamaraden ( Fest mit 88 Jahren !!! ) kam er nach Hause und klagte über Bauchschmerzen. Am frühen Morgen rief meine Mutter den Krankenwagen der ihn dann ins Krankenhaus brachte.
Darmverschluss hiess es. Grundsätzlich kein grosses Problem. Man musste operieren.
Die Prognosen waren gut, Gefahr sollte keine bestehen.
Dann plötzlich gab es eine Entzündung . Nicht gut.
In der Zwischenzeit sitze ich auf heissen Kohlen in Südafrika . Soll ich kommen, muss ich kommen, wann ??? Viele Fragen raubten mir die Nächte.
Zudem war Beulah immer noch in Coffee Bay um die letzten Tage des Sardine Runs hinter sich zu bringen.
Schlechte Nierenwerte , hiess es aus dem Krankenhaus.
Ich rief schon meinem Reisebüro an und warnte davor, dass ich demnächst einen kurzfristigen Flug brauchen könnte.
Alles wieder auf bestem Weg zur Besserung. Nur noch ein hohes Fieber.
Wenn er das Wochenende schafft, wird alles wieder gut.
Ich warte.
Beulah muss doch nach Hause kommen. Sie ist total erschöpft. Sechs Wochen lang war sie im Ocean View Hotel in Coffee Bay und hat den ganzen Stress des Sardine Runs durchgemacht.
Alles geht wieder besser mit Vater, kommt die Meldung.Fieber weg, alles stabil. Er macht Sprüche !!!
Gerade als ich relaxe kommt der Anruf : Herzstillstand
Beatmungsmaschine. Entzündungswerte hoch, Nierenwerte niedrig.
Wir brauchen ein Wunder….
Ich buche mein Ticket. Beulah kommt am 22.7. nach Hause, ich fliege am 23.7. nach Deutschland.
Vater ist einigermassen stabil, aber sehr schwach. Man gibt ihm Morphium damit er nicht leiden muss.
Ich fahre direkt ins Krankenhaus. Er sieht furchtbar aus. Hängt an einem seidenen Faden.
Vater ist im Morphium Himmel. Er schaut uns an, kann aber nichts mehr sagen.
Ich glaube fest, dass er mich gesehen hat….dass er weiss, ich bin jetzt da, dass er weiss, er kann jetzt loslassen…..
Wir sind zwei Stunden an seinem Bett, wir streicheln ihn, wir reden mit ihm.
Er kann ohne Maschine atmen, alle paar Minuten macht er die Augen auf. Dann fällt er wieder zurueck in die glückliche, schmerzfreie Wirkung des Morphiums.
Ich kenne das. hatte mal wahnsinnige Schmerzen und bat den Arzt um Morphium. Als er mir nach langem Zögern die Spritze gab waren innerhalb von Sekunden die Schmerzen weg. Man fühlt sich total sorgenfrei und hat ein wahres Glücksgefühl.
Immer wieder verfällt man in einen angenehmen Schlummer.
Diese Erfahrung half mir sehr das was ich sah zu akzeptieren.
Am 25.7. ruft uns das Krankenhaus an. Wir müssen schnell kommen.
Um 8 Uhr sind wir in der Intensivstation am Bett meines Vaters. Achtzehn Minuten später macht er seinen letzten Atemzug…
Dann hören wir den Ton…
Seine Überreste liegen im Bett, sein Geist schwebt direkt hinaus in Richtung Gebirge…
Mein Vater war ein Super Typ. War immer voll aktiv, liebte die Natur, liebte das Leben.
Sein Leben lang hatte er zahlreiche Ehrenämter , er bekam fuer sein Engagement in der Gesellschaft das Bundesverdienst Kreuz.
Er war immer ein Diplomat und traf immer die richtige Entscheidung.
Seit 35 Jahren wird mir täglich von Beulah gesagt, sie wünschte sich nichts mehr als, dass ich nur ein bisschen so wäre wie mein Vater….
Er hat nie schlechte Worte benützt, ist nie laut geworden , hat nie die Ruhe verloren.
Wer Balthasar Mauz kannte liebte und ehrte ihn.
Mein Leben wird nie mehr dasselbe sein…..